„Die Liebe zur Theologie ist in Graz grundgelegt worden.“
Sr. Dr. Maria Maul, geb. 1964 in Graz, studierte von 1982 bis 1986 Kombinierte Religionspädagogik und Germanistik. Nach dem Studienabschluss (Mag. theol.) entschied sie sich, bei den Don Bosco Schwestern (FMA) einzutreten, wo sie als Religionslehrerin und Schulleiterin an den Schulen ihres Ordens in Vöcklabruck tätig war. Neben ihrer Lehrtätigkeit studierte Sr. Maria Maul Katholische Fachtheologie in Linz und erwarb anschließend ein Doktorat im Fach Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern. Im September 2026 wurde sie zum zweiten Mal zur Leiterin der Deutschsprachigen Provinz der Don Bosco Schwestern gewählt.
Sr. Maria, wie kamen Sie zum Theologiestudium?
Zum Theologiestudium hat mich motiviert, dass mich Religion schon immer sehr interessiert und fasziniert hat. Ich war auch in meiner Pfarre Don Bosco sehr beheimatet und engagiert. Da ist das neue Jugendzentrum entstanden. Ich war bei der Jungschar und habe dann zusammen mit meinen Schwestern auch selbst sechs Jahre lang eine Gruppe geleitet. Daneben haben wir drei auch im Jugendblasorchester mitgespielt. Es war eine sehr schöne Zeit und daher wollte ich grundsätzlich immer Religionslehrerin werden.
Welche Erinnerungen haben Sie an die Lehrenden der Fakultät?
Ich kann mich vor allem an männliche Professoren erinnern, sonst nur an Frau Irmtraud Fischer, die damals Assistentin für Altes Testament war. Ich habe durchaus sehr gute Erinnerungen an die Professoren. Da war in erster Linie Professor [Edgar] Korherr, den wir in Religionspädagogik und Katechetik gehabt haben. Bei ihm habe ich dann auch meine Diplomarbeit geschrieben. Die Vorlesungen von Professor [Johann] Marböck, das weiß ich noch, die habe ich wirklich geliebt, zum Beispiel die Psalmen-Vorlesungen. Er hat so wunderbar vortragen können, auch auf Hebräisch, er hat uns die schönen Texte der Psalmen sehr verinnerlicht nahegebracht. Es gab auch einige Laien unter den Professoren. Und da war auch noch Professor Florian Uhl. Er ist dann ebenfalls in Linz gewesen. Es waren einfach Professorenpersönlichkeiten, die mir inhaltlich viel mitgegeben haben.
Wie haben Sie den Vorlesungsbesuch und die allgemeine Studiendisziplin wahrgenommen?
Der Vorlesungsbesuch war grundsätzlich gut, wobei er auch von den Professoren und dem Fach selbst abhing. Wir hatten noch kein Internet, das wir hätten nutzen können, also war es den meisten doch wichtig, die Vorlesungen auch wirklich zu hören und die Vortragenden im O-Ton mitverfolgen zu können. Ich habe mir die Vorlesungen alle selbst angehört, sofern es möglich war. Auch die Studiendisziplin habe ich allgemein als gut in Erinnerung. Meine Lieblingserinnerung ist auch die, dass ich im großen Lesesaal der Universitätsbibliothek gerne gesessen bin und dort gelernt habe. Dabei habe ich die Atmosphäre dieses wunderschönen Raumes und die Stille genossen.
Welche Bedeutung hatte Ihr Studium an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz für Sie und Ihr späteres Wirken?
Die Liebe zur Theologie ist in Graz grundgelegt worden. Vor allem auch die Liebe zur Bibeltheologie, Religionspädagogik und Kirchengeschichte. Die Kirchengeschichte ist dann in Verbindung mit der Ordensgeschichte natürlich ein besonderes Steckenpferd von mir geworden. Diese Fächer habe ich später in die Religionspädagogik immer wieder einfließen lassen. Die Liebe zur Bibel und deren Exegese ist mir geblieben, genauso wie die zur Kirchengeschichte. Da beschäftige ich mich heute noch persönlich damit. Ich habe sogar die Prüfungszeugnisse und auch noch einige Ordner mit Skripten aus der Studienzeit aufbewahrt. Ich habe sie aufgehoben, weil sie mir wichtig und wertvoll waren. Für die Zukunft hätte ich große Lust weiterzustudieren und mich mit aktuellen Themen der Theologie zu beschäftigen.
Gibt es etwas, was Sie aus Ihrer Erfahrung heraus den aktuellen und zukünftigen Theologiestudierenden raten würden?
Ja, dass sie doch auch mit Büchern studieren und nicht nur die Inhalte aus dem Internet holen. Denn es geht meiner Meinung nach nichts über Bücher, die man wirklich angreifen kann. Ich finde, Bücher können durch nichts ersetzt werden.
Das Gespräch führte Thomas Roth.