Donnerstag, 19. März 2026 | 11:45-13:45 HS 47.11 | Universitätszentrum Theologie (Heinrichstr. 78A/I)
Ph.D.Eva Doležalová ist Leiterin der Abteilung für Mittelaltergeschichte am Institut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag sowie Stellvertretende Direktorin am Zentrum für Mittelalterstudien des Instituts für Philosophie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften.
Juden waren in den böhmischen Ländern bereits seit dem 11. Jh. vor allem in den Städten dauerhaft ansässig. Das Zusammenleben der jüdischen Bevölkerung mit der christlichen Mehrheitsgesellschaft ist in den mittelalterlichen böhmischen Quellen nur selten direkt fassbar. Umfangreichere Hinweise auf konfliktfreie wie auch konflikthafte Beziehungen mehren sich erst ab der Mitte des 14. Jh., also in einer Phase, in der sich die schriftliche Verwaltungstätigkeit der städtischen Kanzleien deutlich intensivierte und die böhmischen Könige der Luxemburger Dynastie angehörten. Ziel des Vortrags ist es, am Beispiel mehrerer böhmischer Städte die Dynamik des räumlichen und sozialen Nebeneinanders jüdischer und christlicher Siedlungsstrukturen aufzuzeigen sowie ausgewählte Aspekte des gesellschaftlichen Lebens zu beleuchten, die zur Entstehung sozialer und ethnischer (religiöser) Spannungen in der Zeit vor der Hussitenrevolution im Jahr 1419 beitrugen